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#1
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ADHS oder Borderline
Hallo,
bei mir wurde ADHS diagnostiziert und mir wurde Medikinet verschrieben. Nachdem ich anfangs dachte, das Zeugs hilft, glaube ich immer mehr, das dem nicht so ist. Es hilft zwar bei den ADS-typischen Konzentrationsproblemen, aber ich habe festgestellt, daß ich auf vermeintliche Provokationen und Störungen des erwarteten Ablaufs von Dingen nach wie vor heftig reagiere, also mit wüsten Beschimpfungen, Wutausbrüchen und ungerechten Schuldzuweisungen. Ich habe gelesen, daß ADS und Borderline auf Grund sehr ähnlicher Symptome schwer voneinander abgegrenzt werden können und daß "Borderliner" diejenigen, die sie lieben beschimpfen und entwerten. Da dies bei mir der Fall ist, vermute ich, die Diagnose ADS ist falsch und mein Problem ist eher Borderline. Meinen Therapeuten werde ich jedenfalls wechseln und von vorne anfangen, denn mittlerweile hat meine Frau mit meiner Tochter das Weite gesucht. |
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#2
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Hallo Rali,
es tut mir leid, dass Ihre Frau Sie verlassen hat. Offenbar hängt das z.T. mit Ihrer Impulsivität zusammen. Bei Ihnen hat man ein ADHS diagnostiziert. Die Wirkung des Medikinets würde dafür sprechen, dass es tatsächlich so ist. Denn Medikinet ist ein Mittel, dass nur bei ADHS positiv wirkt. Dennoch passiert es Ihnen offenbar, dass es gelegentlich zu Wutausbrüchen und impulsiven Handlungen kommt, in denen Sie unter Umständen Ihnen nahestehenden Personen vor den Kopf stoßen. da kann ich Ihre verunsicherung bzgl. der Diagnose gut verstehen. Medikinet beeinflusst jedoch eher Aufmerksamkeit und Konzentration und weniger die Impulsivität. Um impulsive Verhaltensweisen in den Griff zu bekommen, sollten Sie so genannte Skills erlernen, d. h. Fertigkeiten, mit denen Sie es schaffen, Ihre Anspannung zu reduzieren ohne andere anzugreifen. Dennoch kann es natürlich sein, dass daneben noch eine emotional-instabile Komponente eine Rolle spielt. das sollten Sie jedoch genau prüfen lassen. Herzliche Grüße Franziska Keyserlingk |
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#3
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Hallo Franziska,
ich habe am 01.03. einen Termin bei einem neuen Therapeuten, der feststellen soll, ob es "nur" ADS ist, oder noch was dazu kommt. In der Zwischenzeit leide ich wie ein Hund, zerreisse mich vor Selbstvorwürfen, daß ich es zugelassen habe, daß mich diese Krankheit kontrolliert und ich meine Tochter und meine Frau unglücklich gemacht habe mit meinen Brüll-Ausrastern. Es zerreisst mir das Herz sobald ich die Wohnung betrete und nichts als Leere da ist. Kein Kind, keine Frau. Okay, die Katzen sind noch da, aber die können mir das Liebste was ich habe - und doch so mit Füssen getreten habe - auch nicht ersetzen. Das schlimme ist, wäre ich beizeiten in einen Therapie gegangen hätte ich unser aller Leid verhindern können. Dieses Gefühl, als ob eine Faust mein Inneres zerquetscht und etwas meine Kehle zuschnürt habe ich 24 Stunden täglich. Das nennt sich wohl Schuldgefühl. Verdient habe ich es ja, aber das einzige, das ich möchte, ist, daß wir wieder als Familie zusammenleben. Nur wird das wohl noch in weiter Zukunft liegen... |
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#4
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Hallo Rali,
ich kann gut verstehen, dass es Ihnen Leid tut, was geschehen ist. Sie haben recht gut beschrieben, dass es sich um Schuldgefühle handelt. Sie sollten diese als Motor für die Fahrt auf Ihrem neuen Weg nutzen. Diese werden Sie ans Ziel bringen, für das Sie sicherlich hart arbeiten müssen. Sie haben gut Ihre hohe Anspannung beschrieben, die sicherlich auf dem Boden der Schuld und Traurigkeit entstanden ist. Ich kann mir gut vorstellen, dass es Ihnen helfen könnte, die momentane Situation zu akzeptieren. Das ist nicht leicht. Aber wenn Sie weiter darüber nachdenken, was Sie hätten alles anders machen können, quälen Sie sich. Versuchen Sie nach vorn zu schauen ... herzliche Grüße Franziska Keyserlingk |
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#5
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Hallo Franziska,
Sie haben Recht, die Quälerei bringt mich nicht weiter. Ich habe mich in der Zwischenzeit ein paar Mal mit Frau und Tochter getroffen und meine Frau ließ durchblicken, wenn ich diese unselige Aggression in den Griff bekomme und die Kleine wieder Vertrauen zu mir fasst, würden sie wieder zurückkommen. Es gibt doch sicherlich auch Medikamente die Aggression blockieren können, so wie Medikinet Aufmerksamkeit steigern kann, oder seh ich das falsch? Welche wären das? Auf jeden Fall werde ich das auch am 01.03. beim Therapeuten ansprechen, daß nicht die mangelhafte Aufmerksamkeit das Hauptproblem ist, sondern die aggressive Reaktion darauf. Ich mein, Schlüssel verlegen und suchen kann jeder, aber die Rumbrüllerei und die anderen-die-Schuld-in-die-Schuhe-Schieberei beim Suchen ist das, was unsere Familie so belastet hat. Und wenn da das Medikinet nicht hilft, brauch ich was anderes, was die Symptome ausschaltet, bis das Problem an der Wurzel gepackt ist. So müsste es gehen, denke ich... Besten Gruß rali |
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#6
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Hallo Rali,
leider ist es so, dass gerade die Impulsivität nicht besonders gut medikamentös beeinflussbar ist - außer natürlich durch sedierende Medikamente, aber die wirken ja wieder auf die Aufmerksamkeit und Konzentration und machen meist süchtig ... Es würde vielmehr darum gehen, alternative Bewältigungsstrategien im Umgang mit Wut und Aggressionen zu finden. In unserer Klinik bieten wir z.B. eine ambulante ADHS-Gruppe an, in der Ihnen solche Fertigkeiten beigebracht werden ... ich weiß ja nicht woher Sie kommen ... vielleicht lohnt es sich aber mal vorbeizuschauen. ![]() Viele Grüße Franziska Keyserlingk |
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#7
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Hallo,
es gibt neue Entwicklungen. Meine Frau hat einen Mietvertrag für einen eigene Wohnung unterzeichnet. Das war's dann erst mal wohl... Mein neuer Therapeut hält nichts von der Diagnose ADS und meint, wenn er sich das alles anhört und meine zerbissenen Finger sieht und meine Anspannung spürt, meint er, Borderline wäre sehr wahrscheinlich. Prima - hätte meine erste "Therapeutin" das mal geschnallt, wäre meine Ehe jetzt wohl nicht so kaputt. Na ja - sie musste ja immer selbstverliebt Weisheiten aus ihrem selbst verfassten ADS-Buch zitieren... Ja - ich weiß - die eigentliche Ursache liegt bei mir, Schlimmeres hätte aber durch eine richtige Diagnose und Behandlung verhindert werden können. Wie sang doch einst Sinatra?: "That's Life" ! Dann fügen wir uns mal in unser Schicksal... Bis dann Rali |
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#8
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Hallo Rali,
das hört sich ja gar nicht gut an. Offenbar sind Sie sehr verärgert und enttäuscht. Jedoch haben Sie recht, denn Ihre Verhaltensweisen haben dazu beigetragen, dass Ihre Frau ausgezogen ist. Sicherlich sind Sie sauer auf die Therapeutin - aber Sie ist auch nur ein Mensch und wer sagt, dass Ihr neuer Therapeut recht hat? Vielleicht sollten Sie sich zur Diagnosesicherung in eine Spezialambulanz begeben. Wir in Rostock bieten das z.B. auch an. Hier könnte man feststellen, ob Sie ein ADHS oder eine BPS oder ... haben. Dennoch sollten Sie weiterhin zu Ihrer Therapie gehen, denn egal wie die Störung nun heißt, sie sollte behandelt werden.Herzliche Grüße Ihre Franziska Keyserlingk |
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#9
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Hallo Franziska,
seit einer Woche sind Frau und Kind wieder da! Meine Frau hat's bei ihrer Mutter nicht mehr ausgehalten, da war ich wohl das kleinere Übel... Wir sind mit Hilfe meines Therapeuten, darüber einig geworden, daß sie auch bleiben, wir werden Regeln für das zusammenleben in der Wohnung aufstellen, damit es funktioniert. Erst einmal nur wie eine WG, da die Beleidigungen noch zu tief sitzen, als daß wir wieder das Bett teilen könnten, aber damit kann ich leben, hauptsache die zwei sind wieder bei mir. Und irgendwie hat bei mir im Kopf etwas geklickt. Da ich jetzt weiss, was ich verliere, wenn ich meinen Stimmungen freien Lauf lasse, habe ich sie irgendwie unter Kontrolle bekommen. Dabei haben mir auch sicherlich die Gespräche mit meinem Therapeuten geholfen. Zum "Entlasten" benutze ich künftig nicht mehr meine Familie, sondern werde, wenn die Anspannung zu groß wird auf meinen neu angeschafften Boxsack hauen, soll ja auch für die Figur recht positive Auswirkungen haben. Ich bin recht zuversichtlich, daß wir das hinkriegen, egal wie das heißt, was mir das Leben schwerer macht. Viele Grüße rali |
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#10
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Hallo Rali,
es freut mich für Sie, dass Ihre Frau und Ihr Kind wieder da sind. Jetzt müssen Sie sich bestimmt ganz neu finden. Sie lassen es langsam angehen und das ist wohl erstmal das Beste. Der Boxsack ist ein guter Skill, wenn man mal unter Strom steht. Ich möchte jetzt schreiben: Schön, dass Sie etwas daraus gelernt haben... Aber das hört sich so belehrend an. Ich glaube, Sie sind erstmal nur froh, oder? Liebe Grüße Karen Baltrusch |
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#11
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Hallo Karen,
ja das kann mal wohl sagen. Das Zusammenleben funktioniert recht gut, obwohl die Totzphase meiner Tochter ein tägliches Pulverfass ist. Bis jetzt ist es gut gegangen. Das einzige was mir noch wirklich Stress macht, ist wieder einen guten Job zu finden. Den jetzigen musste ich annehmen, um nicht in Hartz IV zu rutschen. Nach der Insolvenz meines damaligen Arbeitgebers (Pharma-Aussendienst) habe ich so lange keinen Job gefunden, bis ich den "erstbesten" Vertrag der mir vorgelegt wurde unterschreiben musste. Jetzt mache ich einen Job in einer Sparte die mich nicht interessiert (Papier-Branche, Aussendienst), bei einer nicht gerade konkurrenzfähigen Firma und auch noch schlecht bezahlt. Ja, besser als Hartz IV, aber ich brauche wieder eine Tätigkeit bei der ich nicht das Gefühl habe, Lebenszeit sinnlos zu verschwenden. Das ist das schlimmste, denn diese Zeit gibt mir niemand wieder... Ich bin jetzt 40 und das macht es nicht gerade leichter eine gute Anstellung zu finden. Ich geb zwar nicht auf, aber die Absagen nagen langsam an der Ausdauer. Ich gehe jeden Morgen mit körperlich spürbarer Abscheu meiner jetzigen Tätigkeit nach. Zumindest kann meine Frau das nachvollziehen, ihr ging es auch mal so. Sprüche wie "Das bildest du dir nur ein", oder "So schlimm kann das doch nicht sein!" bekomme ich deswegen Gott sei Dank nicht zu hören. Mit einer Portion Glück klappt es auch noch mit einem neuen Job. Keine Ahnung was wäre, wenn nicht, so soll es jedenfalls nicht weitergehen, wäre nur schade, wenn ich mich vom Aussendienst verabschieden müsste. Als Borderliner bin ich absolut nicht tauglich für Büroarbeit... Wenn sich was getan hat, geb ich wieder Bescheid. Bis dann rali |
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#12
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Hallo rali,
Teil 1, muss ich so machen weil der Text viel zu lang ist, wusste ich es doch über das doppelte überzogen ich hoffe ich darf mich hier mal dazwischenmengen, ich hatte hier einige Monate gelesen, und war jetzt eine ganze Weile nicht mehr da. Ich habe mich bisher noch nicht getraut hier zu schreiben, ich habe ebenfalls beide Diagnosen, AD(H)S und Borderline, und es tut sich eine Menge auf dem Gebiet der AD(H)S, ich müsste jetzt weit ausholen, um alles zu berichten. Ich habe zwei Söhne einer wird jetzt 16 Jahre, und der kleine ist 9 geworden, beide AD(H)S, der kleine hat noch das Asperger Syndrom dabei. Hier im Ort habe ich vor zwei Jahren eine Selbsthilfegruppe gegründet für AD(H)S, was bei weitem nicht ausreicht, da es schon lange nicht mehr nur um AD(H)S geht, was ich immer wieder beobachte, bei Erwachsenen mit AD(H)S hängt oft noch ein oder mehere Rattenschwänze drann, die sogenannten Komorbiden Störungen, wie zb. Borderline, ich möchte jetzt hier nicht den Klugscheißer raushängen lassen, aber ich denke es könnte durchaus sein, das beides bei dir zutrifft, ich würde es an deiner Stelle noch mal testen lassen, jedenfalls das AD(H)S wenn du so unsicher bist. Die Diagnose zu stellen ist ja auch nicht mal in einer halben Stunde geschehen, es muss vieles ausgeschlossen werden, es müssen zb Blutabnahme erfolgen, um zb. auszuschließen, das es nicht die Schilddrüse ist, ein EEG sollte gemacht werden, um ein Anfallsleiden auszuschließen, also eine Epilepsie, allerdings gibt es auch AD(H)Sler die Epileptiker sind, wenn sie sowas haben, dann meist die leichte Form, also Abcencen. Was mich interessieren würde ist, warum dachtest du erst das Medikinet hilft, und dann nicht mehr, bekommst du das Retard ??? Ich hatte ein ähnliches Problem, bekam auch Medikinet und konnte es nicht vertragen, hatte trockene Augen usw. ich sagte dem Arzt bescheid und es wurde was anderes ausprobiert, undzwar Amphetaminsaft, und er macht ebenfalls nicht abhängig, gerhört genau wie das MPH (Methylphenidat) also Medikinet zb. in die Gruppe der Stummulanzien. Eigentlich sind auch Medikinet, und konsorten, dafür bekannt das sie auch die Stimmungsaufhellend sind, deswegen kommt mir das ganze was komisch vor, aber es gibt auch Erklärungen, dafür. Es kann sein das es an den Trägerstoffen liegt, also Ritalin und hat zb. Weizenstärke, als trägerstoff, während Medikinet Glutenfrei ist und als Trägerstoff Maisstärke hat. Das reicht schon aus, um es nicht so wirken zu lassen wie es sollte, aber da gibt es auch so kleine tricks wie man feststellen kann ob es wirkt oder nicht. Wenn Kinder oder Erwachsene in meine Gruppe kommen, und gerade davor stehen ein Medikament zu bekommen für die AD(H)S, frage ich als erste nach ihrem Schriftbild, da häufiger die Feinmotorik zu wünschen übrig lässt. Oh man immer noch zu groß gewesen der Text, erst nichts schreiben, und dann reinhauen wie ne doofe Teil 2 folgt im Anschluß ![]() |